ALCHEMIST - “Tripsis”

Die Australier von ALCHEMIST haben schon immer ihren ganz eigenen Film geschoben. Das erste Album “Jar Of Kingdom” von 1993 bot völlig konfusen, technischen, abgepfiffenen, mit zahlreichen stilfremden Elementen anreicherten Death Metal, der auch heute noch mit nichts und niemandem zu vergleichen ist. Spätestens seit dem vierten Album “Organasm” (2000) hat die Band mehr oder weniger ihren Stil gefunden: Schöner Sci-Fi Metal mit einer unvergleichlichen Atmosphäre. ALCHEMIST klingen so, wie farbenprächtige Sternennebel aussehen. Und wenn man um sinnlose Vergleiche schon nicht herum kommt, dann passen VOIVOD zu “Angel Rat”-Zeiten und ANACRUSIS (am ehesten “Screams And Whispers”) am Besten. Aber das sind nur lose Anhaltspunkte.

“Tripsis”, Album Nummer Sechs, knüpft an den Vorgänger “Austral Alien” (2003) an, präsentiert sich aber insgesamt kompakter und gereifter. Außerdem haben ALCHEMIST dieses Mal das Übersong-Problem der letzte Alben ausgemerzt. Sowohl auf “Organasm” als auch auf “Austral Alien” gab es einen Song, der die anderen etwas älter aussehen lies - zum einen “Tide In, Mind Out”, zum anderen “Alpha Capella Nova Vega”. “Tripsis” bietet keinen wirklichen Übersong, aber dafür neun kleine Perlen, die sich allesamt auf einem Niveau bewegen und das Album so zu einem durchgängig intensiven Trip machen.

Progressiv umschreibt ALCHEMIST definitiv sehr gut, auch wenn die Band schon lange keine sinnlosen Frickeleien mehr nötig hat. Das Death Metal-Etikett wird den Australiern zwar immer noch sehr gerne angehängt, aber außer dem rauen Gesang von Adam Agius klingt hier wirklich überhaupt nichts nach Todesblei. Tja, manchmal greifen selbst die schönsten Schubladen nicht.

“Tripsis” zu beschreiben ist kein Leichtes. Die Musik ist aggressiv, sphärisch, durchdacht, kompakt, schön und von dieser bereits beschriebenen Outer Space-Atmosphäre getragen, die wirklich nur ALCHEMIST so hinbekommen. Man muss allerdings hinzufügen, dass die Band trotz aller Weltraum-Affinität sehr warm und organisch klingt. “Kalt” oder “seelenlos” scheint es im Wortschatz der Band nicht zu geben. “Tripsis” hat ein beeindruckendes Farbspektrum, das von dem gelungenen Coverartwork sehr schön repräsentiert wird.

Sich über Highlights auszulassen ist bei diesem Album wie gesagt nicht wirklich möglich, aber Anfängern sei gesagt, dass “Wrapped In Guilt” (sowieso der Opener), das harte “Anticipation Of A High” (mit super Clean-Vocal Performance von Agius), “Substance For Shadow” und der phänomenale Rausschmeißer “Degenerative Breeding” (geniale “Out There”-Gänsehautgitarrenmelodien in Kombination mit einzigartigen Grooves) ein wenig schneller als die übrigen Songs zünden.

“Tripsis” ist eine gelungene Abwechslung zum schwermetallischen Einheitsbrei, der momentan so veröffentlicht wird und sticht sehr angenehm heraus. Ein dreiviertelstündiger Schwebe-Trip durch die schönsten Regionen des Weltalls.

8,5 von 10

ALCHEMIST - “Tripsis”
(Relapse Records, 2007)

01. Wrapped In Guilt (4:34)
02. Tongues & Knives (5:14)
03. Nothing In No Time (5:49)
04. Anticipation Of A High (4:33)
05. Grasp In The Air (4:36)
06. CommunicHate (4:25)
07. Substance For Shadow (4:50)
08. God Shaped Hole (5:04)
09. Degenerative Breeding (3:47)


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